Die aktuelle Debatte um den anstehenden Landarztmangel, von dem auch der ostfriesische Raum betroffen sein wird, beschäftigt die Spitze der SPD schon seit langer Zeit. Nun veranstaltete die regionale SPD einen Vortrag mit der Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Gesundheit Dr. Cornelia Reimann.
In der aktuellen Debatte sei es in erster Linie wichtig, die akuten Probleme zu bekämpfen und eine Versorgungssicherheit auch in der Fläche zu gewährleisten, so der Vorsitzende der Kreis-SPD Holger Heymann in einer Pressemitteilung. Gerade die Bürgermeister und Ortsvorsteher auf dem Land weisen seit geraumer Zeit auf Probleme hin. "Die Menschen müssen einen Termin bekommen und das nicht erst Monate später", so Heymann. Außerdem müsse eine sichere Versorgung chronisch kranker Menschen durch den Hausarzt langfristig gesichert sein. Ausreichend Zeit der Ärzte für den Patienten, sei hier unerlässlich.
In der Bundesrepublik praktizieren aktuell 140 000 Ärzte mit einem Durchschnittsalter von rund 50 Jahren. Jedes Jahr wandern durchschnittlich etwa 2500 ausgebildete Ärztinnen und Ärzte ab. Die Entwicklung hat zur Folge, dass laut Experten in den nächsten Jahren 20 000 Mediziner fehlen werden.
Laut SPD liege dies vor allem am aktuellen Zwei-Klassen-System. Als Selbstständiger oder Beamter sowie als Angestellter ab einem Jahreseinkommen von 49 000 Euro könne man sich privat versichern. Dies hat, mit Ausnahme der Beamten, die schon bei geringen Einkommen privat versichert sind und keinesfalls stärker herangezogen werden dürften, zur Folge, dass einkommensstarke Schultern in der Bevölkerung sich nicht an der Finanzierung des Gesundheitssystems beteiligen müssten. "Dies ist aber auch der Grund, warum es für Ärzte unattraktiv ist, sich im strukturschwachen Raum anzusiedeln", erläutert Vorstandmitglied und Juso-Vorsitzender Sören Mandel. "Das Zwei-Klassensystem führt dazu, dass sich beispielsweise in der Region um den Starnberger See, an dem es viele privat Versicherte Menschen gibt, eine der landesweit besten Versorgung mit Landärzten etabliert hat", so Mandel. Wenn man an dem aktuellen, konkurrierenden System von Gesetzlicher Krankenversicherung und privaten Kassen nichts ändere und auch die starken Schultern mehr beteilige, sei eine Unterversorgung in strukturschwachen Regionen mit wenig Privatpatienten vorprogrammiert. Die aktuelle Reform der Bundesregierung zur Neuordnung der ärztlichen Versorgung sei nur dazu da, um weiterhin Privilegien für einige Wenige zu erhalten, statt ein klares solidarisches Gesundheitssystem zu entwickeln, dass für alle Menschen die bestmögliche Versorgung gewährleistet. Der Bund und allen voran Gesundheitsminister Rößler seien nun gefordert statt über Anti-soziale Kopfpauschalen einen Wechsel in der Finanzierung und eine damit verbundene Attraktivierung der ländlichen Region für Mediziner herbeizuführen. Ein Vorschlag läge mit der "Bürgerversicherung" seitens der SPD bereits seit längerem auf dem Tisch, so die einhellige Meinung der Vorstandsmitglieder. Nun sei die Regierung gefragt, denn nur mit Maßnahmen in Berlin könne die Situation vor Ort verbessert und gesichert werden.